Samstag, 3. April 2010

Yvio: Gründe für die Insolvenz

Unter anderem auch in der "Yvio: Freibeuter der Karibik" Gruppe (Link: http://www.facebook.com/group.php?gid=250257324816 ) wird gerade über die Gründe der Insolvenz diskutiert. Ich möchte da die Firma (Public Solution, PuSol) in Schutz nehmen, denn mancherorts wissen andere scheinbar ganz genau, was PuSol falsch gemacht hat: Zu wenige oder zu schlechte Spiele, falsche Zielgruppe, zu teuer, zu wenig Werbung etc.

Sicherlich, bei einem Startup Unternehmen läuft nicht alles richtig. Wo Menschen arbeiten, da werden auch Fehler gemacht. Da wäre vielleicht da und dort mehr gegangen. Ich behaupte aber, dass PuSol keine großen Fehler gemacht hat. Ich glaube, dass der Markt einfach viel, viel zu klein ist für ein hochpreisiges Produkt, wie es die Yvio ist. Große Verlagshäuser wie HiG, die mit Carcasonne einen Millionenseller im Programm haben, beschäftigen ein paar wenige Mitarbeiter, davon Vater und Sohn. Mein neues Spiel "Die Minen von Zavandor" kommt beim Lookout Verlag unter, der mit Agricola ebenfalls ein sehr erfolgreiches Spiel hat. Hier wird die Hauptarbeit von einer einzigen Person erledigt, der Rest ist ausgelagert (Grafik, Produktion, Vertrieb...). Yvio hat über 20 Mitarbeiter! Und weniger ist einfach kaum möglich, denn während ein klassischer Verlag fast fertige Prototypen vorgestellt bekommen, die dann vom Illustrator + einer weiteren Person zur Marktreife gebracht werden können, benötigt es für ein Yvio Spiel zusätzlich zahlreiche Sprecher + Tonstudio, Sounds, Programmierer, viel mehr Tests usw.

Jeder kann die Zahlen mal für sich durchgehen. Ein Brettspiel hat meistens eine Erstauflage von ca. 3000-5000 Stück. Wenn PuSol also innerhalb von 2 Jahren 9 Titel auf den Markt gebracht hat und damit seine Mitarbeiter finanzieren muss, dann geht sich das vorne und hinten nicht aus. PuSol hätte wohl um den Faktor 10 mehr Umsatz benötigt und dazu ist der Markt einfach viel zu klein. Leider!

Kommentare:

  1. Im Grunde sehe ich das ähnlich wie du. Im Detail etwas anders. Folgendes Beispiel: Eine Bakannte von mir arbeitet bei einem großen Laden für Gartenbedarf und Spielwaren. Etwas ländlich gelegen, viel Spielwarenkonkurrenz gibt es da nicht. Außerdem ist es einer der größten Spielwarenabieter in unserer Region. Auf der Yvio-Homepage erfuhr ich, dass es dort die Produkte geben solle. Ein Anruf bei meiner Bekannten ergab folgendes Ergebnis: "Haben wir nicht. Wie kommst du da drauf?" Ich, überzeugt, dass ich mich mit Spielen besser auskenne als die Ladenbesatzung, düse trotzdem hin und finde die Spiele natürlich... Wenn man reinkommt läuft man direkt drauf zu... ;-)

    Klar: Ein Armutszeugnis für die Angestellten, aber auch, dass keine Sau die Yvio kannte, der nicht viel mit Spielen zu tun hat! Wie kommt das?

    LG...ode.

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  2. Als ich bei Toys'r'us gefragt habe, ob sie noch Yvio Spiele auf Lager haben (wollte nicht extra hinfahren um dann festzustellen, dass schon alle weg sind), hat sie sofort gewußt, wovon ich rede. Ich war eigentlich sehr überrascht, hängt aber vielleicht auch mit der Aktion zusammen. Hätte ich nach Club Diamonds oder der Schwarm gefragt, hätten die wahrscheinlich keine Ahnung gehabt. Der Handel kennt ja im Prinzip fast nur die Spiele des Jahres. Wenn Freibeuter Spiel des Jahres geworden wäre, wäre PuSol saniert gewesen. Ja, was wäre wenn....

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  3. Hallo Alexander,

    dein Kommentar hat mich doch etwas verwirrt. Auf der einen Seite schreibst du PuSol hätte keine großen Fehler gemacht, auf der anderen Seite beschreibst du aber detailliert warum es nicht geklappt hat (und damit indirekt auch Fehler): Zuviele Mitarbeiter, zu teuer/aufwendig, Markt zu klein (?). Irgendjemand muss sich da wohl bei der (hoffentlich) vor der Entwicklung der Konsole getätigten Marktanalyse/Kalkulation wohl vertan haben - wenn das mal kein dicker Fehler war. Natürlich kann niemand ALLE Risiken abschätzen und Verkaufszahlen sind schwer vorauszusehen, aber dass es nicht so einfach 50000 pro Spiel werden ist klar. Da muss man schon massiv am Markt sein (Kaufhäuser/Supermärkte) und auch enorm viel Werbung machen um erstmal einen entsprechenden Bekanntheitsgrad zu erreichen.
    Bezüglich der Größe des Marktes denke ich übrigens, dass er wohl eher zu groß als zu klein ist. Da geht man schnell unter und wird nicht wahrgenommen, weil es zuviel Konkurrenz gibt.
    Auch das mit HiG verstehe ich nicht ganz. Vlt täusche ich mich da aber es klingt nach: "Das ist ja unfair. Die entwickeln und produzieren viel billiger und haben auch noch Carcassonne mit SdJ-Titel." Zum Einen wusste PuSol, dass ihre Technik höhere Kosten mit sich bringt, zum Anderen kann man ja einen SdJ-Titel nicht von vorneherein einplanen (zumindest hoffe ich das ;-)). Abgesehen davon ist der Erfolg von Carcassonne auch für einen SdJ-Titel eine Ausnahme.
    Wie auch immer, ist nicht bös gemeint. Ich will damit auch nicht sagen, dass es von Anfang an zum Scheitern verurteilt war und ich habe auch keine Infos zu den genauen Hintergründen. Allerdings denke ich, dass es durchaus legitim ist über bestimmte Fehlerquellen zu spekulieren wie z.B.: Kapital bzw. Durchhaltevermögen des Investors, Preis der Konsole/Spiele, Anzahl der Spiele seit Markteinführung, Marketing, Handelspartner, Konzentration auf den deutschsprachigen Markt, Netzteil, ...

    Ich hab mir übrigens jetzt auch mal eine Yvio zugelegt und freue mich darauf dein Spiel auszuprobieren. Natürlich drücke ich dem Insolvenzverwalter alle Daumen, dass er die Karre aus dem Dreck zieht und es weitergeht. "Schaumermal", wie der Kaiser sagen würde...

    LG

    Matthias

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  4. Hallo Mathias,

    Wenn du es so sehen willst, hast du Recht: Der Fehler war überhaupt auf den Markt zu gehen. Andererseits, wenn sie Geldgeber finden, warum dann nicht probieren.

    Ich will nur auf eines hinaus: Meiner Meinung nach ist es nicht an ein paar kleinen Dingen gelegen, die nicht funktioniert haben, sondern die Zahlen passen hinten und vorne nicht. Selbst bei 100% mehr Verkäufe, wäre das Schicksal gleich geblieben. Auch bei 200%...

    Meiner Meinung nach müßten sie 20.000 Stück und mehr pro Spiel verkaufen und das geht einfach nicht...

    Vor diesem Hintergrund bin ich natürlich gespannt, wie es weiter geht. Ravensburger kommt mit tiptoi, die haben sicher kein Interesse. HiG ist ein Familienunternehmen, die werden auch dieses Risiko nicht eingehen. Eventuell ein amerik. Verlag. Die könnten das dann gleich in USA vermarkten, wo ich bei entsprechender Werbung und vielleicht Listung bei Wallmart gewisse Chancen sehe. Eventuell Amigo.

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  5. Nett, mal von Profis zu hören, wie so was geht.

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  6. Hallo ihr Lieben,
    ich bin großer Fan von Freibeuter der Karibik (habe es bei einem Freund gespielt), kann aber einfach keins ergattern :(

    Kennt ihr einen Laden, wo die noch auf Vorrat sind?

    (Ja ich weiß, die Yvio-Produktion steht still, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

    Liebe Grüße

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  7. ich finde die yvio auch mega toll und ich persönlich finde es mit meinen freunden sehr untergaltsam uns spaßig.

    sehr schade das es sie nicht mehr gibt

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